„Kultur des Meckerns“ schadet nur

Wie soll es mit Geislingen weitergehen? Antworten soll es im Konzept der „Gruppe Drei“ geben. Es wird im April veröffentlicht.

Vor drei Wochen hat der Gemeinderat die von der „Gruppe Drei“ erstellte Stadtmarketing-Konzeption einstimmig verabschiedet. Dass das Image der Stadt aufpoliert werden muss, sei eine der Erkenntnisse aus Mach5 gewesen, sagte Frank Dehmer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Alexander Doderer, dem Geschäftsführer der Marketing-Agentur „Gruppe Drei“.

Nicht wenige Geislinger sehen ihre Stadt in einem schlechten Licht:  Mit dieser Beobachtung seien viele Bürger während des Mach5-Prozesses an die Stadträte herangetreten. „Die Bürger nehmen Positives gar nicht mehr wahr oder sehen die Dinge schlechter als sie sind“, erläutert Dehmer. Eine solche „Kultur des Meckerns“, wie sie nicht nur in Geislingen gepflegt werde, könne irgendwann gefährlich werden, warnt Alexander Doderer: „Eine negative Aura tut dem Gemeinwesen nicht gut.“ Nicht zuletzt deshalb, weil Städte heutzutage um Einwohner und Firmen konkurrieren würden, verdeutlicht Dehmer. Damit Kommunen in diesem Wettbewerb eine Chance haben, müssten auch die „weichen Standortfaktoren“ stimmen. Deshalb sei eine Stadtmarketing-Konzeption in der heutigen Zeit einfach notwendig.

„Per Knopfdruck“ ließen sich viele Wünsche allerdings nicht realisieren, verdeutlicht Doderer: „Menschen wünschen sich zum Beispiel einen Lebensmittelhandel. Wenn ein möglicher Anbieter aber davon ausgeht, dass nicht genügend Kunden in den Laden kommen, dann wird er sich auch nicht ansiedeln.“ So entstehe oft eine Art Teufelskreis: Die Stadtmarketing-Konzeption solle helfen, gerade diesen zu durchbrechen  und einen „roten Faden“ für konkrete Veränderungen und Verbesserungen aufzeigen.

Nicht nur Stau auf der B 10

Dazu gehöre auch, das Image der Stadt bei Einwohnern und Auswärtigen zu verbessern und an Geislingens „Stadtmarke“ zu arbeiten. Man wolle den Geislingern nichts „überstülpen“ oder „vor die Nase setzen“, beteuert Dehmer. Deshalb seien durch die  Stadtmarketing-Workshops auch immer zum Beispiel Vertreter aus Vereinen, Kultur und Gastronomie beteiligt worden. Ein Ergebnis der Workshops ist zum Beispiel ein Jahreskalender mit allen wichtigen Geislinger Events,  der bald gedruckt und im Internet erhältlich sein wird. Das darin enthaltene Angebot sei „bemerkenswert für eine Stadt dieser Größe“. Auch in Zukunft wollen sich die Veranstalter auf diese Art abstimmen .

Generell sei es die Herausforderung des Stadtmarketings, eine Vielzahl von Akteuren, Themen und Inhalten unter einen Hut zu bringen und alles in einer Gesamtstrategie zu bündeln, heißt es in einem Überblickpapier der „Gruppe Drei“ zum Stadtmarketing.  Maßgeblich sei dabei der Anspruch, in allen Bereichen besser zu werden – Events zum Beispiel über die Region hinaus bekannt zu machen. Auf diese Art könne man den vielen „kommunikativen Selbstläufern“ – wie zum Beispiel der Verkehrssituation – etwas entgegensetzen, sagt Doderer: Die erste Assoziation mit Geislingen dürfe nicht der Stau auf der B 10 sein. Ein Weg in diese Richtung sei, bereits vorhandene Veranstaltungen zu kombinieren: Als Beispiel nennt Dehmer das Zusammenspiel aus Kunstfrühling, Moonlight-Shopping und Gastronomie im vergangenen Jahr. Für Events mit positiver Außenwirkung brauche es auch nicht immer „das große Budget der Stadt“.  Oft reiche es auch, wenn die Stadt als Koordinator und Motivator bereit stehe wie beim Sommernachtskino oder Oldtimer-Treffen.

Das Stadtmarketing dürfe sowieso nicht allein an der Stadtverwaltung hängen, betont Alexander Doderer.  Auch der Handel spiele eine große Rolle. „Deshalb hoffen wir, dass die Geislinger Sterne sich nach vorne entwickeln.“ Eines stehe auf alle Fälle fest: Der stationäre Handel müsse in Zukunft „alle fünf Sinne der Kunden ansprechen“: „Zum Einkaufen allein kommt niemand mehr in die Stadt.“ Bei Testkäufen in der Stadt, die Aufschluss über Bedienung, Präsentation und Empathie gegenüber den Kunden geben sollten, hätten er und sein Team „nicht nur tolle Sachen erlebt“. In einem Friseur-Salon habe man ihm etwa empfohlen, das nächste Mal lieber nach Ulm zu gehen.

Kurzversion bis Mitte April

Die gut 100 Seiten starke Stadtmarketing-Konzeption soll nun die Grundlage dafür sein, die Stadt und ihr Image in den nächsten zehn bis 15 Jahren positiv weiterzuentwickeln. Viele relevante Bereiche seien in dem Papier „richtungsweisend beschrieben und mit Empfehlungen versehen“. Vollständig veröffentlicht wird das Strategiepapier allerdings nicht. „Das können wir nicht machen“, meint Dehmer. „Es sollen ja nicht andere Städte damit arbeiten.“ Eine Firma lege ihre Marketingstrategie ja auch nicht völlig offen. Bis Mitte April soll es aber eine „Kurzversion“ für die Öffentlichkeit geben.

Die fertige Konzeption setzt den Schlusspunkt unter die Zusammenarbeit der Stadt mit der „Gruppe Drei“.  Wer wird die Fäden des Stadtmarketings im Rathaus in Zukunft in den Händen halten? Eine neue Stelle werde dafür nicht geschaffen, sagt Dehmer. Aber man sei dabei, in der Verwaltung die Kapazität dafür zu schaffen, dass ein Stellenanteil für das Stadtmarketing abfällt.

ZUFRIEDENE HÄNDLER – LOB VOM IHK-GESCHÄFTSFÜHRER

Eine Aktion, mit der das Image der Stadt Geislingen als Einkaufsstadt verbessert werden kann, stellt das Moonlight-Shopping dar: Die Händlergemeinschaft „Geislinger Sterne“ hat am Freitag wieder zum Einkaufen bis Mitternacht eingeladen. Trotz der kühlen Temperaturen lockten die Händler einige Kunden in ihre Geschäfte. „Wir sind zufrieden“, sagt etwa Maja Bosch, die mit ihrem Ehemann Axel Bosch das Modehaus Fahr an der Karlstraße betreibt und für die „Geislinger Sterne“ das Moonlight-Shopping mitorganisiert hatte.

Viele Kunden hätten das Geschäft besucht, „die Umsätze haben gestimmt“. Auch die anderen Händler seien zufrieden, haben Maja und Axel Bosch in Gesprächen erfahren. Allerdings war eines  verwunderlich: „Schlagartig um 23 Uhr war Schluss.“ Trotzdem: „Es war eine super Veranstaltung“, lautet das zufriedene Fazit.

Peter Saile, Leitender Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Göppingen bestätigt: „Solche Aktionen sind ein ganz wichtiges Marketing-Instrument. Damit können die Händler die Neugier wecken, damit die Menschen beispielsweise auch aus den Umlandgemeinden wie Wiesensteig, Deggingen oder Kuchen in die Stadt kommen.“

Mit einem gewissen Aufwand seien solche Aktionen verbunden, räumt Peter Saile ein. Und das Wetter sei ein wichtiger Faktor. Es wirke sicherlich nicht motivierend für die teilnehmenden Geschäfte, wenn potenzielle Käufer wegen schlechten Wetters wegbleiben.

Er hofft, dass die Fünftälerstadt mit ihrem Konzept Erfolg haben wird. Denn: „Geislingen tut sich bislang schwer damit, sich zu präsentieren.“ Probleme seien die Konkurrenz durch den Internethandel, durch Shopping-Zentren sowie durch Städte wie Göppingen und Ulm, sagt er. „Geislingen leidet wie alle Mittelzentren“, ergänzt der IHK-Geschäftsführer.

Auch mit Blick auf die Zersplitterung der Einkaufsmöglichkeiten in Geislingen sei es umso wichtiger, für Aktivitäten in Altenstadt und in der Oberen Stadt zu sorgen. Außerdem sollten „alle darauf hinarbeiten, dass es einen attraktiven Kunden-Magneten in der Oberen Stadt gibt und die Kunden-Frequenz gestärkt wird“.

Autor: Ilja Siegemund

Zum Video „Neues Stadtmarketingkonzept für Geislingen“

Veröffentlicht in der Südwest Presse am 26.03.2018
Autor: Stefanie Schmidt
Link zum Artikel: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/geislingen/raus-aus-dem-teufelskreis-25058386.html

One thought on “„Kultur des Meckerns“ schadet nur

  • Ein zum Geislinger Stadtmarketing Logo passendes Beispiel hierzu erschien Anfang September 2018 in der Geislinger Zeitung. Unter der Überschrift „Für Geislingen ist der Zug abgefahren. Kein Name auf dem ICE“ wurde in der Geislinger Zeitung berichtet, daß es wohl niemals einen ICE mit dem Namen Geislingen geben wird. Mann, dann taufen wir halt mit der Lufthansa ein Flugzeug.
    Denn: Auch für die Auswahl der Städte durch die Deutsche Bundesbahn ist es unerheblich, ob diese vom ICE bedient werden oder werden können. Das Stadtmarketing in Arnstadt und Goslar war sicher nicht in Topform, als der ICE wegen fehlender Oberleitung mit einer Diesellok zur Taufe geschleppt werden musste. Der eine oder andere Zuschauer hat sicher gelacht (…und das hätte die Geislinger Zeitung auch unkompliziert recherchieren können: Ich habe es gelesen auf: Wikipedia.de, Artikel „Liste nach Gemeinden und Regionen benannter IC/ICE-Fahrzeuge“)

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