Dem Stadtmarketing fehlt ein „Kümmerer“

Das Konzept für Geislingen ist fertig. Der Gemeinderat sorgt sich derweil um das das schlechte Image des Stadtmarketings.

Nach drei Jahren hat die Agentur Gruppe Drei um Professor Alexander Doderer die Konzeption für das Geislinger Stadtmarketing fertig gestellt. „Ein langer Weg geht nun zu Ende“, sagte OB Frank Dehmer in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch. Gleichzeitig beginnt eine neue, noch längere Wegstrecke. Das 120-seitige Strategie- und Analysepapier sei die Grundlage für die zukünftige Arbeit und müsse nun  „mit Leben gefüllt werden“. Doderer formulierte es so:  Die Konzeption enthalte die „Rezeptur für die nächsten 15 bis 20 Jahre“, aber noch sei nicht alles „gekocht“.

Deshalb brauche die Verwaltung für die nächsten Jahre einen „Kümmerer“, der für das Stadtmarketing zuständig ist. Doderer riet der Stadt, eine hauptamtliche Stelle auf dem Rathaus einzurichten. „Stadtmarketing muss sichtbar sein“, betonte er.

Die Frage nach dieser „Sichtbarkeit“ bestimmte denn auch die Diskussion im Gemeinderat. Werner Ziegler etwa zeigte sich „sehr besorgt darüber, wie schlecht das Image des Stadtmarketings in Geislingen ist“. „Wir müssen die Leute mitnehmen“, forderte er, „die sehen nur ein paar Fähnle in der Fußgängerzone.“ Die Konzeption sei zwar auf lange Sicht angelegt, aber die erreichten „Etappen“ müssten immer wieder nach außen vermittelt werden durch „permanente Kommunikation und Information“. Die Leute sprächen im Zusammenhang mit dem Stadtmarketing bereits von einem „zweiten MiGy“.“

„Die Erwartungen sind hoch“

Die Leute fühlen sich nicht informiert“, meinte auch Peter Zajontz. Deshalb müsse jetzt ein „gemeinsamer Prozess“ mit „vielen runden Tischen“ beginnen. Jörg Bopp fügte hinzu, dass die Erwartungshaltung der Geislinger an das Stadtmarketing relativ hoch sei. Aber auch die Stadt könne eben nicht alles beeinflussen – zum Beispiel, ob es in der Fußgängerzone einheitliche Öffnungszeiten gebe oder nicht. Viel hänge auch davon ab, wie es mit Sonne-Center und Kaufland weitergeht.

Der Gemeinderat dürfe das Stadtmarketing aber auch nicht selbst schlecht machen, warf Thomas Reiff ein. „Man muss auch nach außen zeigen, dass wir Ideen haben.“

Städte wie München oder Stuttgart würden zweistellige Millionenbeiträge für das Stadtmarketing ausgeben – ohne dass es groß Beachtung in der Öffentlichkeit finde, gab OB Dehmer zu bedenken. Da Geislingen mit dem Stadtmarketing erst angefangen habe, stehe dies natürlich mehr in der Öffentlichkeit – und damit in der Kritik. „Und wenn dann etwas umgesetzt wird, führen es die Leute nicht auf das Stadtmarketing zurück.“

Für Holger Schrag war die wichtigste Frage: Wie finanziert man den viel beschworenen „Koch“, der die Rezepte des Stadtmarketings umsetzt? Auch müsse es klare Regeln dafür geben, wie der Stadtmarketing-Prozess innerhalb der Stadtverwaltung laufe. Die „kritische Begleitung“ des Stadtmarketings wollte er sich nicht absprechen lassen, betonte er. „Wir nicken das nicht nur ab.“

Schließlich beschloss der Gemeinderat einstimmig, dass das Konzept der Gruppe Drei in Zukunft den Rahmen für alle weiteren Schritte der Stadtverwaltung bilden und konsequent weitergeführt werden soll. Der nächste Schritt: den Bereich Stadtmarketing in der Stadtverwaltung optimieren.

Veröffentlicht in der Südwest Presse am 02.03.2018
Autor: Stefanie Schmidt
Link zum Artikel: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/geislingen/dem-stadtmarketing-fehlt-ein-_kuemmerer_-24921282.html

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