Stadtmarketing: Geislingen braucht Strahlkraft

50 Teilnehmer diskutieren bei einem Stadtmarketing-Workshop, wie man mehr Menschen für Events in Geislingen begeistern kann.

An Veranstaltungen fehlt es in Geislingen nicht: Der große Jahreskalender, den die Stadtmarketing-Experten der Gruppe Drei im Kapellmühlsaal aufgehängt haben, ist gut mit Events gefüllt – im Laufe des Abends werden sogar noch einige dazu kommen. Vertikale Balken zeigen an, welche „Strahlkraft“ die einzelnen Veranstaltungen nach außen haben, also ob sie hauptsächlich Geislinger Bürger ansprechen oder auch über die Stadt hinaus Aufmerksamkeit auf sich zíehen.

2017 sei in Geislingen schon viel passiert, betont denn auch OB Frank Dehmer, der zusammen mit der Gruppe Drei zum Stadtmarketing-Workshop eingeladen hatte, und nennt einige Beispiele wie  Sommernachtskino, Kunstfrühling, Oldtimertreffen, Maul­taschenfest und das Fanfarenzug-Treffen der Feuerwehr auf dem Helfenstein.

Ein Blick auf den Kalender zeigt aber auch, dass nur wenige Veranstaltungen eine solche Außenwirkung erreichen, dass sie auch viele Besucher aus der Region und darüber hinaus in die Fünftälerstadt ziehen. Indem man Veranstaltungen zusammenlege oder ausbaue, könne man daran etwas ändern, meint Dehmer. Hier kommen die etwa 50 Workshop-Teilnehmer – Vertreter aus Geislinger Vereinen, der Stadtverwaltung, der Gastronomie, aus Organisationen und Kulturschaffende  – ins Spiel. In Gruppen sollen sie Ideen erarbeiten, wie man die Veranstaltungen des kommenden Jahres so optimieren und koordinieren kann, dass sie nicht – wie es Alexander Doderer von der Gruppe Drei  formuliert –  einfach verpuffen.       Bevor sich die Teilnehmer ans Werk machen, betont Doderer noch einmal, wie wichtig es sei, Innenstädte das ganze Jahr hindurch regelmäßig mit Events zu „bespielen“. Die Situation der Klein- und Mittelstädte werde immer schwieriger: Einkaufszentren auf der grünen Wiese und Online-Shopping ziehen die Besucher aus den Innenstädten ab. Sogar Großstädte wie Stuttgart und München bekämen dies zunehmend zu spüren. Nur wenige Orte hätten solches Glück wie etwa die Stadt Rottenburg, der Thyssen mit einem innovativen Aufzug-Testturm eine neue Attraktion liefert. Doderer hat aber auch ein paar beruhigende Worte: „Auch wenn Sie es vielleicht nicht glauben, die Probleme in Geislingen sind im Vergleich noch relativ überschaubar.“

Jahreskonferenz im Dezember

Beim ersten Workshop im April hatten die Teilnehmer sogenannte Personas erarbeitet: fiktive Persönlichkeiten, die beispielhaft für Ansprüche, Erwartungen  und Vorlieben einer bestimmten Zielgruppe stehen. Diesen Personas haben die Marketingexperten bestimmte Geislinger Events zugeordnet, die für sie von Interesse sein könnten.

Dann sind die Arbeitsgruppen am Ball: Welche Veranstaltungen und Angebote locken den Kurzurlauber in die Fünftälerstadt? Wie macht man der Outlet-Touristin die Altstadt schmackhaft? Auf diese Fragen sinnvolle Antworten zu finden, gelingt manchmal gut, manchmal gestaltet es sich schwierig.  Ein Erlebniswandertag für den wanderbegeisterten Tagesausflügler, Moonlight-Shopping mit  Musikmeile in der Fuzo und Abschlussparty in der Jahnhalle für die Studentin, ein verkaufsoffener Sonntag mit Kinderbetreuung und Bio-Markt für die Outlet-Touristin lauten einige Vorschläge. Aber was soll der Geschäftsreisende mit den ihm zugeordneten Veranstaltungen am Wochenende anfangen? So manche Arbeitsgruppe lässt die Personas deshalb schnell links liegen  und macht sich grundlegendere Gedanken.

Doderer fasst einige der eingebrachten Impulse zum Schluss noch kurz zusammen: Geislingen hat zu wenige Übernachtungsmöglichkeiten, Wandern und Natur sind ein „Riesenthema“ für den Tourismus, eine City-App und ehrenamtliche Guides, die Touristen ihre Heimatstadt zeigen, wären ein Plus. Auch kristallisiert sich heraus, dass eine Online-Plattform fehlt, in der alle Veranstaltungen eingespeist und in Rubriken geordnet werden. „Dazu braucht es einen  zentralen Datensatz“, sagt Doderer. Dieser soll in Zukunft bei einer Jahreskonferenz im September, zu der alle Macher und Veranstalter zusammenkommen, entstehen.

Veröffentlicht in der Geislinger Zeitung am 21.10.2017
Autor: Stefanie Schmidt
Link zum Artikel: http://www.swp.de/geislingen/lokales/geislingen/geislingen-braucht-strahlkraft-16221883.html

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