Geislingen muss sich steigern

Sie mussten richtig arbeiten, die rund 70 Teilnehmer des Workshops „Lebendige Stadt geht nur gemeinsam“. Geladen hatte dazu Geislingens OB Frank Dehmer. Gekommen waren Vertreter aus Geislinger Vereinen, der Stadtverwaltung, der Gastronomie, der Hochschule, aus Organisationen und Kulturschaffende. Denn, so hatte es der OB schon in seiner Begrüßung ausgedrückt, „eine Stadt besteht nicht nur aus Häusern und Gebäuden, sondern in erster Linie aus Menschen“. Und diese Menschen müssen eben alle an einem Strang ziehen, um etwas zu gestalten und zu bewegen.

Geislingen sei tot, lese er hin und wieder in den sozialen Medien. Doch so Dehmer vor der Arbeitsgruppe: „Totgesagte leben länger“. Die Einladung zum Workshop sieht der OB als weiteren Schritt nach Mach5. Es gelte Neues zu entwickeln, Zielgruppen zu definieren und auszuloten, wie man diese Zielgruppen erreicht. Bevor sich aber die Teilnehmer an den Arbeitstischen in der Kapellmühle unter Regie von Professor Ale­xander Doderer und seinem Team der Gruppe Drei ans Werk machten, um in Gruppenarbeit bei lebhaften Diskussionen eben genau solche Haupt-Gästezielgruppen der Stadt Geislingen zu modellieren, erläuterte der  Marketingexperte aus Villingen-Schwenningen noch einmal in klaren Worten, worum es unter dem Motto „wir schieben was an“ überhaupt geht.

Stadtmarketing, so formulierte Doderer sinngemäß, sei keine Eintagsfliege, sondern ein dynamischer Prozess, der immer und immer wieder angepasst und bestimmten Erfordernissen angepasst werden müsse. Seine knallharte These: „Eine Stadt, die nicht zwölf Monate im Jahr bespielt wird, geht ein Risiko ein“.  Deshalb sind für den Querdenker solche sich wiederholenden Treffen oder Workshops eigentlich schon obligatorisch. Eine Zielmarke bis 2025 sei bei einer Ideenentwicklung ein überschaubarer Zeitraum, wobei es darum gehe, Geislingen an der Steige in jedem Bereich „zu steigern“.

Doderer führte seinen aufmerksam lauschenden Zuhörern eindrucksvoll vor Augen, dass 2025 schon die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland über 60 Jahre alt sein werde, Frauen würden ein Durchschnittsalter von 86 Jahren erreichen. Und er positionierte die Fünftälerstadt Geislingen: „Sie ist nicht metropol und nicht direkt im ländlichen Raum, sondern mittendrin.“ Solche Dinge gilt es in Marketingstrategien zu berücksichtigen. Nicht nur der demografische Wandel, sondern auch das Verhalten der Menschen in der neuen medialen Welt werde sich verändern. So prophezeit der Fachmann, dass Fußgängerzonen künftig weniger dem Einkaufsleben dienen werden, sondern ein innerstädtisches Ambiente bieten, in dem Kulturerlebnis und Begegnung gesucht würden.

Wie nun die Person, die in acht Jahren (2025) nach Geislingen kommt, beispielsweise als Outlet-Tourist, Wanderer oder Mountainbiker, als Kurzurlauber, Bildungs-Tourist oder Geschäftsreisender „gestrickt“ ist, was diese Person überhaupt erst anlockt, was sie sich in der Fünftälerstadt erhofft und womit sie letztendlich belohnt und zufriedengestellt wird, das erarbeiteten die 70 Teilnehmer an diesem Abend.

Mit Schere, Klebstoff und Papier ging es zur Sache, mit sehr viel Fantasie, selbst Visionen kamen ins Spiel. Die Köpfe rauchten in lockerer, fröhlicher und sehr kommunikativer Atmosphäre.

Abschließend galt es noch den erarbeitenden Charakteren, in der Marketingssprache als Peronas bezeichnet, also einer Zielgruppe zugehörig, den wichtigsten Veranstaltungen im Geislinger Jahreslauf zuzuordnen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, wie sich schnell herausstellte. Die zusammengefassten Ergebnisse bekommen die Teilnehmer des Abends spätestens im Mai.

Veröffentlicht in der Geislinger Zeitung am 5. April 2017
Autor: Michael Rahnefeld
Link zum Artikel: http://www.swp.de/geislingen/lokales/geislingen/geislingen-muss-sich-steigern-14733422.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.