Ausschöpfen, was für Geislingen möglich ist

Lebendige Stadt geht nur gemeinsam“, sagt Oberbürgermeister Frank Dehmer. Der Satz klingt wie eine Aufforderung. Doch ob er Resonanz findet, wird sich zeigen: Am Montagabend diskutieren Vertreter der Geislinger Sterne, Vereinsmitglieder und andere Akteure im Kapellmühlsaal über die Zukunft der Fünftälerstadt. Es ist nicht der erste Workshop. Selbst Dehmer sagt, dass er „nichts völlig Neues“ erwarte, aber darum gehe es auch nicht. „Wir haben noch ein paar Dinge im Kopf“, sagt der Rathauschef, und diese Ideen, teilweise aus dem Mach5-Prozess, gelte es weiterzuentwickeln.

Dehmer denkt dabei an neue Veranstaltungen wie das Old­timertreffen. Ein paar Erfolgsprojekte gibt es bereits: das Stabhochsprungmeeting in der Fußgängerzone, den Hock natürlich. Dehmer hofft, dass das Open-Air-Kino aus dem vergangenen Jahr wiederholt wird. Doch was alles möglich ist, solle beim Workshop besprochen werden. Wichtig sei, dass sich jeder beteilige, denn das Glück einer Stadt sei nicht allein abhängig von den Ideen aus dem Rathaus. „Es ist ein Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure“, sagt Dehmer.

Gute Einfälle sind notwendig, denn dem Oberbürgermeister schlägt oft Verbitterung entgegen. Viele Geislinger sind unglücklich über die Entwicklung ihrer Heimatstadt. „Geislingen kannst du wegschmeißen“, schreibt beispielsweise ein Facebook-Leser der GEISLINGER ZEITUNG. Eine andere Leserin beklagt sich, dass schon vor Jahren „Stillstand“ in Geislingen geherrscht habe. Besser sei es nicht geworden.

Was ihre Wut so entfacht, sind die vielen leer stehenden Geschäfte. Neue kommen immer wieder hinzu, gerade in jüngster Zeit: Diese Woche war es Werner Gass, der ankündigte, sein Geschäft „Sport Gass“ nach 27 Jahren schließen zu wollen (wir berichteten). Im Februar verabschiedeten sich Takko und C & A aus dem Nel Mezzo. Die neuen Leerstände wirken wie eine Wiederbelebung alter Enttäuschungen.

Ein Problem für Geislingen? „Ich würde es nicht ‚Problem’ nennen, sondern Herausforderung“, sagt Dehmer kämpferisch. Zwar gehört das Nel Mezzo nicht der Stadt, ist es doch in privater Hand, allerdings sind Gewerbe und Politik in einer Art Schicksalsgemeinschaft verbunden. Vom Betreiber wisse er, dass er um Nachfolger für die Geschäfte bemüht sei, aber Dehmer sagt: „Du kannst niemanden zwingen hierherzukommen.“

Die Augen verschließen will Dehmer nicht. „Wir haben hier Defizite.“ Er selbst findet, dass gerade jungen Menschen nicht genug in Geislingen geboten wird. Der Rathauschef würde sich  beispielsweise über mehr Angebote für Jungs und junge Männer zwischen zwölf und 22 Jahren freuen. „Das würde funktionieren. Ich bin überzeugt, es gibt diese Nische“, sagt er. Vielleicht lebt auch schon jemand in Geislingen, der darauf Lust hat? Dehmers Segen hätte er wohl.

Zu Pessimismus neigt der OB aber keineswegs. „Wir haben hier auch ein sehr gutes Angebot. Man muss nicht immer unbedingt nach Ulm oder Stuttgart fahren“, betont Dehmer. Er antwortet damit auch den Teilnehmern einer Online-Abstimmung der GEISLINGER ZEITUNG. Im März hatten vier Prozent von ihnen Geislingen die größte wirtschaftliche Anziehungskraft aller großen Städte im Kreis zugeschrieben. Insgesamt kamen 970 Stimmen zusammen. Die meisten aber fahren lieber nach Stuttgart oder Ulm. Das koste Spritgeld, Parkplatzgebühren und Zeit. Aber natürlich müsse jeder für sich entscheiden, wo er sein Geld ausgeben wolle, so Dehmer.

Das zurückliegende Jahr nährt seine Hoffnungen. Mithilfe der Marketingexperten der Gruppe Drei seien erste Akzente gesetzt worden. Er meint beispielsweise das neue Stadtlogo, den Imagefilm im Internet, das Fahnenmeer und das Klavier. „Natürlich lockt nicht allein ein Klavier Menschen in die Fußgängerzone“, räumt er ein. Allerdings bringe es vielleicht den einen oder anderen dazu, besser über die Stadt zu reden. Jedes gute Wort könne Auswirkungen haben. Ganz so absurd ist die Vorstellung nicht, denn gerade an sonnigen Tagen sitzen einige Menschen in den Straßen­cafés. Findet sich nun noch ein guter Straßenmusikant, kann er für schöne Erlebnisse sorgen. Dehmer bewahrt sich seine Zuversicht.

Er will mit Nachdruck arbeiten, um seinen Teil dazu beizutragen, die Stadt weiterzuentwickeln. Doch es brauche eben ­alles seine Zeit.

 

Veröffentlicht in der Geislinger Zeitung am 31.03.2017
Autor: Ruben Wolff
Link zum Artikel: http://www.swp.de/geislingen/lokales/geislingen/ausschoepfen_-was-fuer-geislingen-alles-moeglich-ist-14709880.html

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