Positive Energie für die Stadt

Die Marketing-Agentur Gruppe Drei will frischen Wind und positive Energie nach Geislingen bringen. Eine ihrer Aufgaben ist  Motivieren und Mutmachen.

Seit einem Dreivierteljahr werkeln die Marketing-Fachleute der Gruppe Drei unter der Leitung von Professor Alexander Doderer an einem Stadtmarketing-Konzept für Geislingen.  Dabei arbeiten sie an zwei Fronten: Zum einen soll der  Standort Geislingen  als „Produkt“ verbessert,  zum anderen sollen die Vorzüge der Fünftälerstadt besser nach außen kommuniziert sowie „Sympathiepunkte“  bei den eigenen Bürgern und potenziellen Besuchern gesammelt werden.  „Mann muss von sich Reden machen“, erläutert Alexander Doderer. „Ich weiß, das ist keine Geislinger Eigenheit.“

Doch gerade in der letzten Kategorie hat die Fünftälerstadt im Moment die stärkste Bilanz vorzuweisen.  Die Stadt hat über den Sommer  mit Fahnenmeer, Straßenklavier und Freiluftkino in der Fußgängerzone ordentlich Sympathiepunkte gesammelt – auch über die Stadtgrenzen hinaus. Dafür gibt es von Doderer viel Lob: „Beim Open-Air-Kino sind  super Bilder im Netz entstanden. Das ist für Geislingen völlig neu“, meint er.  Auch das Straßenklavier hält er für eine große Bereicherung:  „Wenn man merkt, es wird fröhlicher, dann entsteht Energie“, ist sich Doderer sicher.  Generell spielten die Emotionen, die Innenstädte bei den Besuchern hervorrufen, eine große Rolle, wenn man eine Stadt attraktiv machen wolle.  „Das müssen Orte sein, an denen die Menschen gerne zusammenkommen.“ In dieser Hinsicht habe die Geislinger Fußgängerzone ein „Wahnsinnspotenzial“.

„Wahnsinnspotenzial“ nutzen

„Wenn die Fußgängerzone regelmäßig durch solche Aktionen belebt wird, tut sich etwas“, meint Doderer.  Vielleicht nicht unbedingt im stationären Einzelhandel, der sich in einer „Fundamentalkrise“   befinde, räumt er ein.  Aber vielleicht werde die Innenstadt zum Beispiel für Kreative als Standort attraktiv. „In dieser Hinsicht muss man in neuen Konzepten denken.“

Über das Fahnenmeer in der Fußgängerzone habe sogar die Stuttgarter Zeitung berichtet und es habe darüber keinen Aufschrei der Empörung in Geislingen gegeben. „Das ist doch fast schon revolutionär“, kommentiert Doderer mit einer Prise des ihm eigenen Humors. Das eigentlich gelungene Projekt sei aber auch ein Beispiel für eine gewisse Zögerlichkeit, die typisch sei für die Fünftälerstadt.  Denn ursprünglich hätten noch mehr von den bunten Bannern aufgehängt werden und die einzelnen Fahnen größer ausfallen sollen, erklärt Doderer. Doch es habe Bedenken gegeben, dass Feuerwehrfahrzeugen dadurch die Zufahrt erschwert werden könnte. Im nächsten Jahr soll jedoch aufgerüstet werden, um den richtigen „Meereseffekt“ zu erzielen. Den Geislingern empfiehlt er allgemein, sich erst über die Chancen eines Vorhabens Gedanken zu machen, dann erst über die Risiken. Und das „Puritanisch-Schwäbische“ etwas abzulegen.

Geislinger „sehr sympathisch und hilfsbereit“

Doch auf die Geislinger, mit denen er bisher zu tun hatte – „und das waren nicht wenige“ –  lässt Doderer nichts kommen. Er habe die Menschen als „sehr sympathisch, authentisch und hilfsbereit“ kennengelernt.  Und mit dem Gemeinderat habe er dabei positive Erfahrungen gemacht – auch wenn der Altersdurchschnitt der Stadträte doch relativ hoch sei. „Die können auch jung denken, wenn ihnen jemand Mut macht.“ Dieses Mutmachen und Motivieren sei ein großer Teil seiner Arbeit. „Man muss Fröhlichkeit und positive Energie in die Stadt reinbringen“, betont Doderer. Allen „nicht einfachen“ Faktoren müsse man  positive Werte gegenüberstellen. Als Beispiel nennt er die Lage am Albtrauf im Oberen Filstal. Zum einen sei das viele „Auf und Ab“ in und um Geislingen ein verkehrstechnischer Minuspunkt. Demgegenüber stehe jedoch viel Natur und die Möglichkeit zum Wandern und Mountainbiken.

Was die Verbesserungen am „Produkt“ Geislingen angeht, hat die Gruppe Drei eine Prioritätenliste mit 20 Einzelpunkten aufgestellt. Ganz oben auf Doderers „Wunschliste“ steht die bessere Anbindung der Fabrikverkäufe an die Altstadt. Am Anfang stehen ein städtischer Info-Pavillon bei den Outlets und eine bessere Ausschilderung des Weges in die Altstadt. Aber damit sei es natürlich nicht getan. Von der Ausgabe von Gutscheinen für Geschäfte in der Fußgängerzone bis zur Anbindung per Pferdekutsche seien der Fantasie im Prinzip keine Grenzen gesetzt.

Ortsfremde sollen sich besser zurechtfinden

Ein weiteres Thema ist der Verkehr: Die Orientierung für ortsfremde Besucher müsse verbessert werden und Ortseingänge  und Routen neu beschildert werden. „Und auch die „historische“ Orientierung lasse noch zu wünschen übrig: Die Geschichte historischer Gebäude müsse direkt vor Ort sichtbar gemacht werden. Wichtig sei es auch, die Fußgängerzone das ganze Jahr über zu „bespielen“. Für die unausweichlich näher kommende Weihnachtszeit bedeute dies etwa, die Giebelbeleuchtungen in der Altstadt wieder in Schuss zu bringen und darüber nachzudenken, den Weihnachtsmarkt wieder zu erweitern.

Was wie und wann umgesetzt wird, hängt allerdings entscheidend von den finanziellen Möglichkeiten ab. Alexander Doderers erster Geislinger Termin nach der Sommerpause ist deshalb ein Gespräch mit Stadtkämmerer Bernd Pawlak.

 

Erschienen in der Geislinger Zeitung am 31.08.2016
Autor: Stefanie Schmidt
Link zum Artikel: http://www.swp.de/geislingen/lokales/geislingen/Positive-Energie-fuer-die-Stadt;art1223063,3985924

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